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Sie singen Messen, Oratorien und Choräle mit Hingabe und Talent. Dabei sind die 60 Männer und Frauen des Kathedraljugendchors nicht älter als 25 Jahre. Ehrgeizig arbeiten sie daran, noch besser zu werden. Ihr „Chef“ weiß wie.
 
 
Von Verona Kerl
 
Gut bei Stimme ist er heute nicht. Erkältung. Die hohen Töne sitzen nicht so richtig, und hin und wieder muss er sich räuspern. Sei’s drum. Probe ist Probe. Als Chorleiter darf man nicht schnell schwächeln. Thomas Kiefer sitzt am Flügel und intoniert. Im Halbkreis stehen die Sänger um ihn. Einsingen vor der eigentlichen Probe ist ein Muss: sich seines Körpers bewusst werden nach der stressigen Arbeit oder viel zu vielen Hausaufgaben, die Stimme warm machen, ankommen in der Musik.

Die jungen Männer und Frauen des Kathedraljugendchors atmen durch und lassen sich durch die Übungen führen. 15 Minuten später nehmen sie im großen Chorraum Platz, um ihr nächstes Projekt in Angriff zu nehmen: das "Weihnachtsoratorium" von Johann Sebastian Bach gemeinsam mit dem Domchor.
 


Ein Werk, das einige Sänger 2012 schon einmal gesungen haben. Entspannen kommt leider dennoch nicht infrage. Kiefer blättert in den Noten auf dem Orgelpositiv (eine kleine, leicht verschiebbare Orgel mit wenigen Registern). "Brich an, o schönes Morgenlicht": Der Choral hat es in sich. "Bitte das Tempo halten! Ihr seid schlimmer als jede Kirchengemeinde." Uus. Das sitzt. Noch mal. "Brich an, o schönes Morgenlicht und lass den Himmel tagen!" Der Chor gibt sich Mühe. Zufrieden ist der Domkapellmeister jedoch nicht. "Manchmal hilft es, wenn man sich den Text als Gedicht durchliest", erklärt er und liest vor: "Dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein, dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen …" Er schlägt die Töne an. "Merkt ihr, wie sich das harmonisch verdichtet?" Sie merken es.

Konzentriert und erstaunlich wenig geschwätzig üben die 60 Sänger, die alle nicht älter als 25 Jahre sind. Erst 2014 gründete Thomas Kiefer das Ensemble neben Domchor, Mädchenchor und Knabenchor. Zwar hat der Jugendchor seine eigenen Projekte, bei größeren Konzerten tritt er aber gemeinsam mit dem Domchor auf.

Viele von ihnen singen bereits, seit sie in die kirchliche Grundschule am Dom gingen, die eng mit der Dommusik zusammenarbeitet. Das schweißt zusammen. Nicht nur als Gemeinschaft, sondern auch als Klangkörper, den Kenner der Trierer Chorszene als exzellent bezeichnen.

Was aber kein Grund ist, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Im Gegenteil. "Unser Vorbild ist der schwedische Chorklang", meint Hanna (19 Jahre) aus Trier. "Unser Chorleiter hat immerhin zwei Jahre lang in Stockholm studiert."

Und der 22-jährige Carlos ergänzt: "Ein Reiz der Dommusik ist, dass die Ausbildung auf lange Sicht ausgelegt ist. Man kann hier als junger Sänger eine gute Chorausbildung genießen." Und: "Uns ist es wichtig, uns selbst zu übertreffen." Falls sie diesen Vorsatz zwischendurch vergessen sollten, erinnert sie vermutlich Thomas Kiefer daran, der "Chef", wie ihn einige flapsig nennen.

Die Seiten zum Eingangschor werden aufgeschlagen. "Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage". Die Chormitglieder kennen die Musik gut. Vielleicht zu gut. Gerade das ist gefährlich. "Ihr müsst den Takt spüren. Stellt euch vor, es wäre ein Tanz. Bewegt euch im Puls", treibt ihr Dirigent sie an. Rhythmus. Betonung. Aussprache. Lautstärke. Phrasierung, immer wieder. Es ist eine Menge Input für einen Abend. Und doch lernt so mancher wohl mehr dabei, als er es je im Musikunterricht der Schule getan hat. (Das ist jetzt gar nicht böse gemeint, liebe Musiklehrer!)

Aber mal abgesehen von Bachs prächtigem "Weihnachtsoratorium" und den vielen anderen opulenten geistlichen Werken, die der Chor bereits gesungen hat, und mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass der Kathedraljugendchor in erster Linie ein Bistumschor ist, sind alle Sänger darin besonders religiös?

"Um bei uns im Chor zu singen, muss man nicht katholisch sein. Wenn man eine christliche Einstellung hat, kann man das meiste von den Texten her gut nachvollziehen", meint Judith (19 Jahre) aus Waldrach. Der 19-jährige Konstantin sieht das ein bisschen anders. "Religiösität hilft mir schon, wenn ich das Weihnachtsoratorium oder ein anderes Oratorium singe. Da geht man anders ran. Für mich ist das mit viel Emotion verbunden. Ich weiß nicht, wie es sonst wäre." Mit dieser Überzeugung wird Konstantin wohl auch den bekannten Choral "Wie soll ich dich empfangen" interpretieren.

"Singt bitte auf der Silbe ‚Du‘", verlangt Kiefer und spielt die Harmonien, während die wunderbar innige Melodie durch den Raum strömt. Für heute scheint er zufrieden. Die Probe ist vorbei.

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach wird am 2. Weihnachtsfeiertag um 18 Uhr im Trierer Dom aufgeführt. Es singen der Trierer Domchor und der Kathedraljugendchor unter Leitung von Domkapellmeister Thomas Kiefer. Es spielt das Barockorchester L’arpa festante München. 

Weitere Informationen auf der Webseite des Kathedraljugendchors.

 

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