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Musik aus einer anderen Welt: Das Konzert zum ersten Advent mit dem Trierer Konzertchor.
 
 
Von Martin Möller
 
Trier Wo das Fest der Feste naht, sind Trompeten in der Regel nicht fern. Jochen Schaaf hat für das Adventskonzert seines Trierer Konzertchors sogar vier der optisch und akustisch glanzvollen Instrumente aufgeboten. Die geben Bachs Kantate „Christen ätzet diesen Tag“ in der Pfarrkirche Trier-Heiligkreuz den gehörigen Glanz. Dieses Werk ist an kompositorischem Ehrgeiz schwer zu übertreffen und fordert einiges von den Interpreten. So muss nach den mächtigen Trompetenklängen der Chorsopran in heikler Stimmlage ganz allein anfangen. Und Solo-Sopranistin Mareile Lichdi hält sich fast immer in der hohen Lage auf. Aber der Chor hält sich unter Jochen Schaafs engagierter Leitung in diesem überreichen Instrumentalsatz wacker, bewältigt die Koloraturen und muss sich an Präsenz vor dem Trompeten-Ensemble nicht verstecken. Das hatte zu Beginn Bachs Orchestersuite Nr. 4 gespielt. Schon in dieser Einleitung zielte Jochen Schaaf auf den Festglanz der königlichen Instrumente. Und  die Blechbläser im Orchester, das überwiegend aus Mitgliedern der Trierer Philharmoniker bestand, sie ließen an schon spektakulärer Brillanz nichts aus. Bachs Kantate indes hat auch andere Seiten, und bei denen schlug die Stunde der vier Solisten. Wo der junge Bach Rezitativ und Arioso verschmelzen will, wo seine Musik nicht nur Sprachprägnanz fordert von den Interpreten, sondern auch lyrische Qualitäten, da glänzen Altistin Marion Eckstein, Tenor Andreas Post und Raimund Nolte. Der beschwört die „heißen Andachts-Flammen“ (Nr. 6) mit baritonaler Markanz und findet mit der Sopranistin im Duett (Nr. 4) zu ausgewogenem Miteinander. Und dann, nach einer kurzen Pause, Musik aus einer anderen Welt. Welch ein Unterschied zwischen Bachs monarchischem Festklang und der vielschichtigen Dramatik von Haydns Nelson-Messe! Deren Musik war bei Jochen Schaaf, dem Konzertchor und den vier Solisten durchweg am rechten Platz. Vor allem Mareile Lichdi, auf deren Schultern die Hauptlast der Soli ruhte, bewältigte ihre Aufgabe mit Engagement. Freilich gingen im Gesamtensemble an heiklen Stellen wie dem großen „Credo“-Kanon die Klangkonturen verloren. Und die Streicher im Orchester kamen selten hinaus über brav einstudiertes Begleiten. Schade! Denn auch der Orchestersatz ist erstaunlich einfallsreich. Trotz mancher Einschränkungen – Anlass zur Freude gab es in diesem Konzert genug. Am schönsten, am eindringlichsten, am persönlichsten indessen klingt der Trierer Konzertchor, wo die Trompeten aussetzen, Schwierigkeiten in den Partituren wegfallen und die Sängerinnen und Sänger in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken können. Da singen sie – frei, offen, aus voller Seele. So werden eher unauffällige Abschnitte zu künstlerischen Zentren – der Mittelteil in Einleitungs- und Schlusschor bei Bach, das einfühlsam musizierte „Et incarnatus“ bei Haydn. Oder die Choreinwürfe „miserere nobis“ im Gloria, bei denen Organist Josef Still kurzzeitig aus dem Tutti heraustreten kann. Oder auch das bedrängend dicht musizierte „Benedictus“, das sich als Appell an den damaligen Hoffnungsträger Nelson verstehen lässt. Gerade wo die Musik etwas von ihrem Weihnachtsglanz aufgibt, wo sie still wird und introvertiert, da entfaltet die Interpretation ihre größte Kraft. Vielleicht hätte ein leiseres, intimeres Programm bei diesem Konzert zum Advent nicht geschadet.
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