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Klassik und Popmusik wie aus einem Guss: Die Kinder- und Jugendchöre am Theater Trier und das Philharmonische Orchester der Stadt haben Josef Haydns „Schöpfung“, erweitert um moderne Songs, als stimmiges Chorwerk auf die Bühne gebracht.

Von Mechthild Schneiders

Trier Der Wind streicht sanft durch Blätter, wird stärker, pfeift laut. Ein Schauer läuft kalt den Rücken hinunter. Dunkel ist es, nur langsam setzt die Dämmerung ein. Regenschauer, Donner, Wolkenbruch. Große Tropfen platschen auf die Erde. Leises Pfeifen, Raunen, Scharren, Piepen, Knarzen, Grummeln, Brüllen – erstes Leben regt sich. Die Sonne geht auf.  

Die Vokal-Improvisationen der gut 120 Sänger der Kinder- und Jugendchöre am Theater Trier fügt sich perfekt ein in „Die Vorstellung des Chaos“, die Ouvertüre des  Oratoriums „Die Schöpfung“  (Hob. XXI:2) von Joseph Haydn (1732-1809). Erst dann setzt Gesang ein: „Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde“. Blau, Braun, Gelb – die Weltkugel auf der Leinwand kommt immer näher, nimmt bald den gesamten Bühnenhintergrund im großen Haus ein.

Wie diese Erde aussehen soll, davon haben die Kinder und Jugendlichen ganz klare Vorstellungen: Brüderlichkeit, Leben in Frieden – die ganze Welt eine Einheit. „Imagine“ von John Lennon schmiegt sich an die haydnschen Klänge. Dann wieder Klassik, dazwischen rezitieren die Jugendlichen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union.

Und dann ist sie da, die Krone der Schöpfung – der Mensch! Modern mit Herbert Grönemeyers gleichnamigem Song, verspielt mit Klaus W. Hoffmanns „Gesichter“ – gestenreich präsentiert von Vor- und Kinderchor. Die Jüngsten meistern – mit Bravour – eine besondere Schwierigkeit: Sie sitzen hinter ihrem Chorleiter Martin Folz und müssen sich am Bildschirm orientieren. Denn erstmals dirigiert Folz nicht nur seine jungen Sänger, sondern auch die Musiker. Und das passt: Sie bilden eine Einheit. Genau wie die Musikstücke unterschiedlicher Genres. Folz hat auch die Popsongs für sinfonisches Orchester transkribiert, verleiht den Stücken eine einheitliche Soundsprache. Erstmals treten auch Solisten des Chors verstärkt in den Vordergrund, singen Rezitative, erhalten stimmgewaltige Antwort vom Chor.

Dann ändert sich das Bild: Traumhaft schöne Landschaftsaufnahmen im Hintergrund, ein Flug über einen Wasserfall, über endlos grüne Weiten, den Urwald, übers Meer, das ewige Eis zu Paul McCartneys „Mother Nature‘s Son“, mehrstimmig gesungen vom Jugendchor. Die Videoprojektionen von Gideon Rapp unterstreichen stimmig die Gesänge. Der Mensch, die Krone der Schöpfung? Den lachenden Kindern folgt die Schattenseite der modernen Zivilisation: Blechkarawanen, Müllberge, hungernde Menschen, ein Häusermeer  – das plötzlich in Trümmern liegt. Bombenkrater, Zerstörung, Flüchtlingsboote. Rapps aktuelle Bilder geben Haydns Werk eine neue Aktualität.

„Vollendet ist das große Werk“ – eine Vollendung im Chaos. Folz fährt den Chorsatz musikalisch an die Wand, führt ihn zum großen Crash.

Und dann übernehmen die Kinder und Jugendlichen. „Trotzdem“ (Erika Pluhar), „Ich lebe jetzt“ (Meinhard Ansohn) und „Starke Kinder“ (Rolf Zuckowski/Vor- und Kinderchor) schmettern sie der Zerstörung entgegen. Die Jüngsten malen große bunte Blumen über die grauen Trümmer von Aleppo (Animation: Marius Folz). Die Kinder schaffen sich ihre eigene Welt. Bunt, voller Blumen und Frieden. „Heal the world“ (Michael Jackson) – „Heile die Welt, mache einen besseren Ort daraus“ –, diese Botschaft geben die jungen Sänger ihren Zuhörern mit auf den Weg. Und auch so machen Ohrwurm.

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