Trier und Trier-Saarburg
Das Weihnachtsoratorium zum Mitsingen lockt am zweiten Festtag rund 1000 Menschen in den Trierer Dom. Von Anne Heucher Trier „Jauchzet, frohlocket!“ – Mit den rund 100 Sängern des Trierer Domchors und des Kathedraljugendchors, Solisten und dem Barockorchester L‘arpe festante München jauchzten, sangen oder lauschten 1000 Besucher am zweiten Feiertag im Trierer Dom dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Domkapellmeister Thomas Kiefer hatte das Experiment gewagt, erstmals, wie er eingangs erklärte, das berühmte Konzert für Mitsänger zu öffnen. Während Chöre, Orchester und Solisten im Altarraum den Ton angaben, gruppierten sich Mitsänger und Zuhörer nach Stimmlagen getrennt im ganzen Kirchenraum. Um es gleich vorweg zu sagen: Das Experiment ist geglückt. Neun Choräle sowie Teile von je drei Chören und sogar Arien durften alle Besucher mitsingen, vorausgesetzt, sie hatten die Noten dabei und kannten ihre nicht immer einfache Stimme. Ob rasante 16tel-Läufe oder Oktavsprünge in der sanftmütigen Arie – „Bach ist nichts, was man einfach vom Blatt singen kann“, befand eine erfahrene Sängerin schon während der Proben, die auch Mitsängern in den vergangenen Wochen offenstanden.  Doch viele Teilnehmer hatten Chorerfahrung, fundierte musikalische Kenntnisse und vor allem viel Engagement für dieses Projekt. „Sie sind wirklich ein elementarer Teil dieser Aufführung“, versicherte Thomas Kiefer den Mitsängern in der Probe vor dem Konzert. „Die Geschlossenheit – das hat eine ganz große Kraft.“ Damit das Wagnis gelingt, lautete sein wichtigster Tipp, im Tempo zu bleiben, vor den Chorälen den richtigen Ton zu finden und dort dann auch ab dem ersten Ton präsent zu sein. Und, natürlich, die Lautstärke dem Charakter des Stückes anzupassen, das Wiegenlied nicht zu schmettern, beim „Jauchzet“ im Rhythmus zu tanzen statt zu trampeln. Orientierung boten die Profis im Altarraum, darunter die beeindruckenden Solisten Siri Karoline Thornhill (Sopran), Anne Bierwirth (Alt), Georg Poplutz (Tenor) und Thilo Dahlmann (Bass). Lange habe er dafür gekämpft, dass ein solches Projekt zustandekommt, erzählte Hermann Lewen, scheidender Intendant des Veranstalters Mosel Musikfestival, dem Publikum und reihte sich zum Abschied ein in den Chor. Der Lohn für dieses Projekt war bald spürbar: viel Begeisterung und Dank. „Überwältigend, wenn so viele Männer zusammen das ,Großer Herr und starker König singen“, schwärmte danach eine Sängerin. Sehr bewegt reagierten andere. Besucher überhäufen den Dirigenten Thomas Kiefer mit Lob. Und der wirkte erleichtert: „Ich freue mich, dass meine Vorstellung von dem Projekt so aufgegangen ist, dass die Grundidee, auch mit den Arien, funktioniert hat“, so sein Fazit. Schließlich sei die Akustik im Dom eine besondere. „Das Mitsingen hier ist nicht wie daheim mit der CD, sondern es entwickelt in dem Raum eine gewisse Kraft.“ Das Konzert habe natürlich nichts mit einer historischen Aufführungsweise zu tun, und auch müsse man sich vom Maßstab einer CD-reifen Perfektion verabschieden. Umgekehrt distanziert Kiefer sich vom musikalischen Niveau des weltweit praktizierten „Messias“-Singens, wo jeder Besucher nach einer Probe mit auf der Bühne singen kann. „Der Dirigent unterbricht die Aufführung nur, wenn etwas total schief gehen sollte und es notwendig wird, eine Anweisung zu geben, um das Weihnachtsoratorium gut zu Ende bringen zu können“, lautete eines der elf Gebote für das Mitsingkonzert, das jedem Besucher zusammen mit den Liedtexten ausgehändigt wurde. Das wurde nicht nötig – zum Glück. Nach dem Erfolg am 2. Weihnachtstag kann der Domkapellmeister sich vorstellen, ein solches Projekt erneut anzugehen.

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